Verfügbarkeit von Ersatzteilen messen

Verfügbarkeit und Liefertreue: wie auswerten?

Kaufen Sie in Webshops, wenn Sie sehen, dass keine Verfügbarkeit vorhanden ist?
Warum glauben Sie dann, dass Kunden bei Ihnen Ersatzteile kaufen sollten, wenn sie nicht an Lager liegen?

Deshalb ist es so wichtig, dass alle nachgefragten Teile am Lager sein sind (= Verfügbarkeit).
Und Ihr Kunde will sich darauf verlassen können, dass er oder sie die Ersatzteile tatsächlich zum vereinbarten Termin erhält (= Liefertreue).

Sie interessieren sich für Kennzahlen im Ersatzteilgeschäft?
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Das muss nicht immer schnellstmöglich sein. Denn in Kombination mit Ihrem Pricing können Sie durchaus auch andere Service-Level definieren. Damit garantieren Sie beständig hohen Ersatzteil-Umsatz.


Stellen wir die Frage, warum Ersatzteil-Kunden bei OEM's bestellen. Tatsächlich ist es wenig verwunderlich, dass gerade die Verfügbarkeit ganz oben auf der Liste steht. Das gilt, obwohl Kunden sehr genau wissen, dass die geforderte hohe Verfügbarkeit kostet.

Denn Verfügbarkeit ist eben auch mit Bestand verbunden. Doch selbst eine intelligente Materialdisposition kann Wertberichtigungen am Bestand letztlich nur begrenzen, nicht jedoch völlig vermeiden.


Ersatzteil-Verfügbarkeit messen: kein einfaches Unterfangen

Wir versetzen uns in die Position des Kunden. Der fragt zum Zeitpunkt der Erfassung einer Bestellung, ob das benötigte Ersatzteil da ist. Außerdem kann es in Ersatzteil-Netzwerken in eher seltenen Fällen vorkommen, dass Lieferungen in der Zukunft erfolgen sollen. Auch bei Zubehör gilt die scharfe Anforderung nicht immer. Das kann zum Beispiel im Rahmen einer Erst-Installation vorkommen, wenn Zubehör auf Termin geliefert werden muss.
Aber im Kern gilt die einfache Fragestellung:

Ist
zum Zeitpunkt der Auftragsanlage
genug
frei verfügbarer Bestand an Lager,
um diesen Auftrag zu beliefern?

Tatsächlich ist die Messung auch bei fortgeschrittenen Systemen alles andere als trivial. Im Nachhinein können Sie die oben aufgezeigte Frage leider meist nur eingeschränkt beantworten. Daher sollten Sie solche Daten exakt zum Zeitpunkt der Anlage des Auftrags fixieren. "Fixieren" umschreibt einen weiteren Aspekt der Verfügbarkeitsmessung: eine nachträgliche Manipulation soll hierdurch ausgeschlossen sein. Gerade bei Feldern, wie dem Kundenwunschtermin und dem Bestätigten Liefertermin erlebe ich immer wieder nachträgliche Anpassungen.
Ein Beispiel, wie ein manipulationssicherer Messpunkt aussehen kann:
im Rahmen einer SAP-Erweiterung der Datenbank wurden genau die relevanten Daten in der Position des Kundenauftrags gespeichert:

Die Erweiterung der Positionsdaten des Kundenauftrags im ERP dient in obigem Fall der Speicherung zusätzlicher Kenngrößen. Dadurch ist nachträglich die Gesamt-Situation zum Zeitpunkt der Anlage nachvollziehbar. Später beantwortet ein einfacher Datenauszug die Frage nach der Verfügbarkeit:
wie hoch ist der Anteil der Auftragspositionen "available at creation" an allen Auftragspositionen im Zeitraum?
Damit kennen wir die Verfügbarkeit auf Ebene der Positionen.

Verfügbarkeit auf Ebene der Aufträge: Anforderungen verschärft

Ihr Kunde kann vermutlich mit 9 von 10 bestellten Teilen aber immer noch nicht reparieren. In solchen Fällen fehlt als zusätzliche Kennzahl die Verfügbarkeit auf Auftragsebene:
wie hoch ist der Anteile der Aufträge, bei denen alle Positionen als available at creation gekennzeichnet wurden, an allen Aufträgen in diesem Zeitraum?
Hierbei gilt eine Einschränkung. Ihre Kunden bestellen mit eigenem Auftragsbezug. Genau das trifft normalerweise bei der direkten Belieferung von Service-Technikern zu. In einem integrierten After Sales Service Geschäft mit eigenen Technikern müssen Sie beide Fragen beantworten. Denn effektives Arbeiten von Service-Technikern setzt nun einmal Ersatzteile voraus. Schon aus Gründen des gebundenen Kapitals müssen Sie den Bestand auf dem Techniker-Wagen schlank halten.

Verfügbarkeit ist mehr Kenngröße der Materialwirtschaft, denn des Vertriebs

An dieser Stelle ein Einschub. Es ist wesentlich die Materialwirtschaft, die für eine hohe Verfügbarkeit die Verantwortung trägt. Daher wurden im obige Beispiel (Screenshot SAP) für weitergehende Auswertungen zusätzliche Informationen gespeichert. Denn wesentliche dispositionsrelevante Stammdaten unterliegen der kontinuierlichen Änderung. Beispiele hierfür sind insbesondere

Ausgerechnet deren Speicherung im Kundenauftrag mag zunächst merkwürdig klingen. Allerdings kann die Materialwirtschaft nur so nachträglich klären, warum ein Artikel nicht verfügbar war.


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Zahlen, Daten, Fakten

Mit den oben beschriebenen Informationen halten Sie die Sicht des Kunden bei Auftrags-Erfassung fest. Und mehr. Dies gilt allerdings nur dann, wenn der Kunde den Auftrag auch erteilt. Kunden, die vor Abschluss eines Auftrags abspringen, können Sie nur mit anderen Methoden ermitteln. Im Umfeld moderner Webshops wird deshalb erheblicher Aufwand getrieben. Denn hohe Absprungquoten gehören zu den wichtigsten kpi in Webshops. Das ist bei Ersatzteilen meist (noch) anders.
So gilt: Was in Ihrem ERP vorhanden ist, können Sie durch regelmäßige Datenauszüge auswerten:

Die Verfügbarkeit selbst ist der Anteil der verfügbaren Auftragspositionen an allen. Sie wird in Prozent ausgedrückt.

Danach sollten Sie diese Kennzahl grafisch aufbereiten. Als Zeitreihe (Verfügbarkeit der letzten Monate) muss sie allen Verantwortlichen und Mitarbeitern vor Augen stehen. Da es sich um die eine Kennzahl handelt, die Kunden bindet, lohnt sich der Aufwand allerdings auch. Auf keinem Dashboard in der Beschaffung darf sie fehlen. Hinzu kommen Bestand und Lagerreichweite (alternativ: Lagerumschlag).
Benchmarks zur Verfügbarkeit sind nicht nur von Branche zu Branche verschieden. Oft geht es auch um konkrete Anwendungsfälle. Und trotzdem sollten Sie nicht allem glauben, was veröffentlicht wird. Nur in den seltensten Fällen stimmen die 98% tatsächlich. Oft beschönigen allerlei nicht berücksichtigte Ausnahmen das Bild.

Jetzt haben Sie eine Kennzahl. Darüber hinaus können Sie noch feststellen,

nicht verfügbar war(en). Wenn Sie bei der Aufbereitung mit Excel arbeiten, reicht Ihnen schon eine einzige Auswertung per Pivot-Tabelle.

Gerade solche heruntergebrochenen Kennzahlen erlauben den Einstieg in Verbesserungsprojekte im After Sales Service. Mindestens während der Laufzeit solcher Projekte ist es geradezu Pflicht, auch für diesen Aspekt Zeitreihen darzustellen.

Ausnahmen

Eine durchaus relevante Ausnahme stellt der Make-to-Order Prozess dar. Davon betroffene Ersatzteile weisen nie einen Bestand auf. Denn sie werden erst auf Kundenauftrag hin im Ersatzteillager konfiguriert. Oft sogar im Rahmen der üblichen meist knappen Durchlaufzeit. Damit ein Kunde auch ohne Bestand bestellt, muss er oder sie hohes Vertrauen an Ihre Ersatzteil-Organisation haben. Dieses Vertrauen müssen Sie sich erarbeiten.
Auch Aufträge auf zukünftige Termine zähle ich zu den Ausnahmen.

Und schließlich kann die Belieferung aus einem alternativen Lager eine solche Ausnahme darstellen: elegant kann die Lieferung durch einen externen Lieferanten sein. Allerdings ist die konkrete Messung in solchen Fällen noch problematischer.

Alternative Methoden zur Messung der Verfügbarkeit

Sind Alternativen zur oben beschriebenen Vorgehensweise denkbar?
Natürlich.
So lässt sich der tägliche Auftragseingang mit dem täglich gespeicherten verfügbaren Bestand je Ersatzteil vergleichen:

Verfügbarer Bestände vom Vorabend
minus
Summe der Auftragsbestände vom Vorabend
ergibt
Frei verfügbare Bestände bei Tagesbeginn
minus
Auftragseingänge am Bezugs-Tag
ergibt
Unterdeckungen je Artikel (Auftragsposition)

Damit fallen allerdings alle Wareneingänge des Bezugs-Tages aus der Wertung. Außerdem können Sie nicht beurteilen, welchen Auftrag von mehreren Sie eventuell nicht bedient haben. Gleiches gilt zum Beispiel für Sperrungen infolge Qualitätsmängel.
Damit ist diese Messung also nicht nur ungenauer. Zusätzlich ist sie auch deutlich aufwändiger.


Wofür brauchen Sie jetzt noch die Liefertreue?

Ist die Verfügbarkeit jetzt das, was der Kunde erlebt?
Mitnichten.
Sie ist allerdings eine wesentliche Voraussetzung für eine als gut empfundene Ersatzteil-Versorgung. Schließlich müssen Sie Ihr verfügbares Teil auch noch ausliefern. Also kommen Ihre Durchlaufzeit und die Zuverlässigkeit Ihrer Prozesse ins Spiel. Hierbei ist die Durchlaufzeit nicht nur im Lager relevant. Auch die Abfolge der Erzeugung von Lieferungen (Lieferscheinen) kommt zum Tragen. Denn umfangreiche Batch-Läufe belasten Ihr ERP-System zwar nur wenig. Aber sie erhöhen jedoch auch die Durchlaufzeit. Gerade im Expressgeschäft sind daher unverzüglich erzeugte Lieferscheine (Lieferungen) unerlässlich.

Den Letzten beißen die Hunde:

Denn Ihr Ersatzteillager kann als eigenen Servicegrad nur messen, was an Lieferungen innerhalb der internen Cut-Off-Zeit ankommt.

Und schließlich kann Ihr Ersatzteilvertrieb auch gestaffelte Lieferzeiten vorsehen:

  • eine Lager-Auffüllung binnen x Tagen,
  • eine schnelle Belieferung am selben Tag,
  • eine Sofort-Belieferung, eventuell in Minuten nach Auftragserteilung.

Wenn die Geschwindigkeit auch noch im Preis-Modell abgebildet wird, ist die Messung Pflicht Ihren Kunden gegenüber. Denn nur eine exakte Messung gegenüber Ihren Service Level Agreements (SLA) schafft eine gute Vertrauensbasis.
Zusätzlich wird die zeitgerechte Auslieferung durch Ihr Betriebsmodell überlagert.

  • Versprechen Sie 24/7?
  • Verschicken Sie an Ihre Kunden Ersatzteile nur von Montag bis Freitag?
  • Liefern Sie auch an Feiertagen (Auftragsannahme an diesen Tagen vorausgesetzt)?

Kalkulation der Liefertreue

Jede dieser Fragen hat Einfluss auf die Berechnung Ihrer Liefertreue. So berücksichtigt ein Betrieb von Montag bis Freitag den Auftragseingang am Wochenende. Solche Korrekturen finden Sie unten in der Kalkulation der Liefertreue: der Auftragseingang im Webshop am Wochenende wird auf den folgenden Montag korrigiert. Daraus berechnet sich für Express-Aufträge ein Ziel-Liefertermin Montag.

Letztendlich geht es darum, die relevante Ist-Durchlaufzeit mit Ihrem Lieferversprechen zu vergleichen. Leider werden 100% schon wegen diverser Betriebsstörungen nicht zu erzielen sein. Damit ist die Liefertreue zwingend niedriger als die Verfügbarkeit. Ihr Servicegrad als Differenz misst die Güte Ihrer internen Abläufe.

Bisher sind Defizite im Transport noch außen vor. Ihr Kunde merkt Ihre Prozess-Qualität schließlich erst, wenn die Ware bei ihm oder ihr ist. Gute Logistik-Dienstleister können Ihnen hierzu auch Daten zur Verfügung stellen. Insbesondere bei Übernacht-Belieferung in den Kofferraum von Technikern gehören tägliche Auswertungen zum Standard.


Aus ganzheitlicher Sicht des After Sales fehlt der Service

Die bisherige Betrachtung beschäftigt sich ausschließlich mit Ersatzteilen. Ein Reparatur-Prozess enthält allerding vor- und nachgelagerte Prozessschritte. Auch diese lohnen der Abbildung in Kennzahlen. Die Kernfrage des Kunden lautet schließlich

Wie lange braucht es, bis meine defekte Maschine wieder läuft?


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Denn als langjähriger Unternehmensberater für den Maschinenbau kann ich Sie bei der Einführung materialwirtschaftlicher Prozesse und deren Optimierung unterstützen. Dabei bin ich nicht nur in Hessen und Rheinland-Pfalz unterwegs. Denn Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen sowie Hamburg gehören ebenso zu meinem Gebiet. Darüber hinaus berate ich natürlich sowohl Kunden in der Schweiz, wie in Österreich.

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Diplom-Ingenieur

Andreas E. Noll

Am Hang 12
61476 Kronberg

"Nutze Deine Zeit, sie kommt nie wieder"-Ivan Blatter


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